Text

Frühstück um halb acht. Eigentlich gibt es das Sonntags erst ab halb neun, aber wenn die Gäste wichtige Verabredungen haben, schmeisst Colin schon mal früher die Bratpfannen an. Für mich english muffins mit Rührei und Tomate, der Mann wagt sich an das Suffolk Breakfast.

Wir werden verfolgt

Kurz nach unserer Abfahrt heftet sich ein dicker Mercedes an unsere Stoßstange. Egal welche noch so abwegige kleine Straße das Navi uns fahren lässt - der Mercedes ist hinter uns. Irgendwann fährt der Mann links ran - und der Mercedes auch. Der Fahrer des Wagens und der Mann beginnen ein bisschen Small-talk, Dreiländereck, Kopf des Kaisers und was man eben so miteinander spricht, wenn man sich gerade erst kennen gelernt hat. Das da jetzt ein wunderschöner Wagen aus den 20er Jahren auf die Straße rollt, scheint nicht zu interessieren. Wir werden hinter eine Hecke und zu zwei Scheunen gebeten und selbst ich als Laie bekomme Ehrfurcht. Da stehen mal eben fünf oder sechs Fahrzeuge aus den 20er Jahren, eines davon ein Einzelstück, wie mir der Besitzer erklärt. Die ergrauten Herren satteln die PS-Pferde, sie müssen zu einer Hochzeit. Ich halte die Straße frei und dann geht es auch für uns weiter.

Lovely bei Classics at the castle

Wir sind etwas verwirrt. Da soll ein riesiges Porschetreffen stattfinden und nirgendwo auf der Straße sieht man einen. Vor dem Eingang zum Schlosspark stehen gerade einmal zwei Fahrzeuge. Dabei waren “Queues” doch “likely”. Wir wagen es trotzdem und siehe da: Die Engländer machen das alles etwas ruhiger. Die stehen nämlich schon in Masse im schön nach Typen sortierten Schlosspark und freuen sich. Ein paar Autos neben uns steht Robin, den 911er ziemlich durchgerostet und er ziemlich ergraut. Macht nix, er war gerade auf Europatour mit Frau und Porsche, 3000 Kilometer und schöne 90 Grad Kehren ist er gefahren. Man kann also noch jenseits der 70 so verrückt sein wie wir. Der Mann macht ein Interview mit Robin, der irgendein Secretary im Porsche Club ist, ich mache mich mit Robins Frau bekannt. Die findet mich lovely, meint, wir sollten die Männer mal miteinander spielen lassen und macht mich dafür mit einem Herrn vom Porsche Museum bekannt. Den mache ich mit dem Mann bekannt und schon sind die beiden zum nächsten Interview weg. Macht nichts, ich lerne Charles und Anne kennen (“like the queen’s oldest”), die ihre “Primrose” (ein 356er) leider wegen eines fehlenden Ersatzteils zuhause lassen mussten.

JK is in the Porsche

Der Mann kommt wieder und erzählt ganz nebenbei, dass JK von Jamiroquai da irgendwo rumsteht. Stimmt. Tut er. Ich lasse ihn stehen, schließlich ist er privat hier, da muss er nicht angequatscht werden. Zum Dank bekomme ich kein einziges vernünftiges Beweisfoto geschossen.

Lauter nette Menschen und lecker Essen

Die Engländer sind kommunikativ. Egal, wo wir stehen, ob gemeinsam oder alleine - wir werden angesprochen. Und nett ist, dass die Menschen zwar auch über Autos sprechen, aber meistens Geschichten erzählen, die Spaß machen. Und nicht mit dem Wert ihrer Fahrzeuge protzen, sondern lieber von dem Spaß damit berichten.

Auch vom Essen können sich deutsche Treffen eine Scheibe abschneiden. Wer nicht den zweigängigen Seated-Lunch buchen möchte, kann auch an den Ständen zum Beispiel Homemade Pie oder Paella bekommen. Lecker auch der Pimms-Longdrink von der Cocktailbar.

Cardamom statt Pub

Zurück in Clare wollen wir eigentlich wieder ins Cock Inn. Dort werden wir aufgeklärt, dass Küche Sonntags nur bis 16 Uhr besetzt ist. Dank meines Nickerchens ist es aber deutlich später. Also auf zu “The Cardamom”, dem einzigen Restaurant, dass in Clare Sonntags geöffnet hat. Dass das indische Retsurant keine schlechte Empfehlung ist, merken wir schon bei dem Papadam, bei den Hauptgerichten sind wir vollends überzeugt.

The Cardamom, 28-29 High Street  Clare, Sudbury, Suffolk

Text

Wir schaffen es tatsächlich, um kurz nach sieben das vollgepackte Auto zu starten. Das ist auch gut so, weil wir es dadurch sehr entspannt durch die Niederlande, Belgien und Frankreich schaffen, bis nach Calais. Wer übrigens wegen der deutschen Spritpreise schimpft, der sollte mal einen Blick über die Grenze werfen: Die niederländischen Nachbarn tanken für 1,86 Euro den Liter Super. In Belgien ist das Tanken ein wenig günstiger als in den Niederlanden, dafür muss man in Vorkasse treten. Ich mache Erfahrungen mit einem Terminal und kann dann „Säule 10 tanke“.

Calais ist von Engländern besetzt

Spätestens ein paar Kilometer vor dem Fährterminal von Calais wird es deutlich, dass auf der Insel können keine Bewohner mehr sein können. Die stehen alle (bevorzugt mit SUVs oder Wohnwagen) in Frankreich und warten auf die Fähre. Besonders spannend der Honda, dem auf der linken Seite Beifahrer- und hintere Tür fehlen. Wozu gibt es Müllbeutel und Gaffatape.

Porsche, Kakao und Kanuten

Auch unser Wagen sorgt für neue Bekanntschaften. Nach dem Herrn, der in den 1970er auch mal einen 911er hatte, kommt der Vater von Sophie. Während die 15monatige Sophie Ausbrüche in alle Richtungen probiert, erzählt uns ihr Vater, dass sein Bruder einen 1968er 911er hat. Den hätte er aber in Notting Hill jeden Tag gefahren, so dass er ihn nun konstant reparieren müsse. Sophies Vater kennt das Ruhrgebiet, Duisburg ist eine seiner liebsten Kanustrecken. Früher war er selber aktiv, heute ist er „nur“ Mitglied des Royal Kanu Club. Außerdem arbeitet er für eine Firma aus Singapur, die Fair-Trade-Kakao einkauft. Ich lerne gerade noch, dass Bio-Schokolade immer auch Fair Trade ist und dann endet das sehr interessante Gespräch – wir werden aufs Boot gebeten.

 Mal eben nach England

Das Schiff ist voll Engländern, die alle mindestens zwei Kinder und etliche Kilo Übergewicht haben. Was sie aber nicht davon abhält, mehrere Tüten Chips zu kaufen. Der einzige gesund aussehende Engländer trägt ein Shirt „British Marathon-Series“. Die Fahrt ist kurz und das Entladen geht schnell.

London - und wir auf der Olympic Lane

London hat eine Emissions-Zone. Und weil wir so schön in (linker) Fahrt sind und das Navi meint, wir müssten diesen Weg nehmen, fahren wir einmal quer durch London. Obwohl da überall Schilder sind, dass die Emission-Zone durch Kameras überwacht wird. Ich erwarte in den nächsten Wochen britische Post und von dem Mann den Nachweis, dass unser Auto zwar wie 40jährig aussieht, aber tatsächlich ein Elektroauto ist. Während ich noch vor jeder Sirene zittere, entdecke ich die Schilder „Olympic Lane“. Netterweise dürfen diese Überholspur jetzt auch normale Menschen benutzen. Übrigens ist auch bei den Paralympics gut was los. Bei denen sind wir nämlich auch vorbei gekommen.

[caption id=”attachment_5587” align=”alignnone” width=”620”] Unscharfe Lane…[/caption]

Geld muss her

Ich habe fünf Pfund, deshalb muss Geld her. Unser B&B liegt so ruhig, dass wir zum nächsten Bankautomaten einen halbstündigen Umweg durch sehr kleine One-Way-Roads fahren müssen. Das erklärt auch die Aussage „No crime at all“ von Deborah, unserer „Herbergswirtin“. Wir bekommen ein Zimmer in einem Anbau, was wirklich toll ist und den Tipp, zum Essen The Cock Inn aufzusuchen. Der Pub liegt netterweise schräg gegenüber dem B&B.

Pub Grub rules

Im Cock Inn gibt es Bitter und Lager, das Ghostship schmeckt besonders gut und wir können im Restaurant Platz nehmen. Der Mann nimmt den „catch of the day“, worunter sich Fish and Chips verbergen. Die Bedienung kann ihm keine der angebotenen Fischsorten empfehlen, sie ist Vegetarierin.

Vegetarisch ist auch der Stilton Pie mit wilden Champignons und Kürbis, den ich bestelle. Dazu gibt es Blumenkohl, Broccoli und junge Kartoffeln. Zum reinlegen, allerdings hätte ich eine ganze Familie davon satt bekommen.

Der Mann isst den Fisch auf, weil er so lecker und die Sauce Tartar selbst gemacht ist – auch diese Portion ist eigentlich zu groß. Möchte noch jemand „schlechtes Essen“ und „England“ in einem Satz erwähnen?? Der war wohl noch nicht da….

Text

Eines kann man getrost vorweg sagen: Der Mann und ich haben in den letzten vier Jahren einiges an Geld in Restaurants getragen. Trotzdem hat keines der oft weitaus teureren Läden in Hamburg, Berlin und anderswo es geschafft, uns so zu begeistern, wie Hannapel.

Das Restaurantkarussel dreht sich

Zweimal im Jahr bieten die Mitglieder des Vereins “Essen geniessen” ein Menü mit begleitenden Weinen an, bei dem der Preis meist weit unter dem sonstigen Angebot liegt. Bis Mitte Oktober dreht sich das Karussel noch. Wir haben ein straffes Programm geplant, Tische in fünf Restaurants sind reserviert - und das, obwohl wir zwei der sechs Wochen im Urlaub sind.

Karusselstart bei Hannapel

Den Start unseres Karussels machte Hannapel, das die Messlatte für weitere Restaurantbesuche gewaltig hoch gelegt hat. Der Mann hat das Ganze wunderbar zusammengefasst: Jeder Gang war eine Geschmacksüberraschung.

Ein Herz für Autofahrer

Mich wundert immer, wie wenig Restaurants auf Menschen eingestellt sind, die keinen Alkohol trinken. Ein Berliner Restaurant machte da eine rühmliche Ausnahme: Dort bekam ich eine auf das Hauptgericht abgestimmte Saftschorle. Bei Nachfrage in anderen Restaurants blieb oft nur die Wahl zwischen Apfel- und Orangensaft. Dabei sollte doch spätestens seit Van Nahmen eine größere Auswahl zu haben sein.

Bei Hannapel wurde mir nicht nur ein alkoholfreier Campari-Orange als Aperitif vorgeschlagen, sondern auch die Möglichkeit, “Autofahrerschlücke” vom Wein zu bekommen. Oder Saftschorle. Oder beides. Übrigens haben Dr. Loosens Erzeugnisse zwei Gänge begleitet.

Das Menü bei Hannapel

Gazpacho mit Crevetten und Büffelmozarella

Salad Nicoise (Artischocke, Bohne, Paprika, Olive): Mit Wachtelei und Thunfisch, Artischocke und Paprika in veränderter Form. Sehr pfiffig - die Bohnen wurden durch ein Geleebett zusammengehalten.

Gänsestopfleber “Berliner Art” (Apfel, Zwiebel): Der Apfel betsand aus einem Würfel, die Zwiebeln kamen als Zwiebelpüree und Zwiebelkonfit.

Apfelsorbet mit Knisterzucker:

Der Mann hatte als Hauptgang Boeuff Stroganoff - Rinderfilet (rote Beete, Gewürzgurke, Pilze, Sauerrahm)

Mein Hauptgang: Bouillabaisse- Steinbutt, Jakobsmuschel (Safran, Fenchel, Knoblauch, Tomate). Die Tomate kam als rote Scheibe daher, der Knoblauch versteckte sich in einem Röllchen auf dem Püree.

Birne Helene (Birne, Vanille, Schokolade) entpuppte sich als Vielfaches von der Birne, unter anderem Birneneis und Panna Cotta.

Ein rundum gelungener Abend - auch wegen des aufmerksamen und nicht aufdringlichen Services, der nicht nur zu zweit alle Tische bediente, trotzdem noch Zeit fand, den neuen Lieblingswein des Mannes für uns zu notieren und immer sympathisch wirkte.

Text

Der Ideenpark ist vorbei und wir haben noch Wollwachsalkoholsalbe, Ringelblumenöl und destilliertes Wasser - also wird das Büro kurzerhand in ein Labor umgewandelt. Und da die wichtigste Frage zu sein scheint, wie die Salbe in die Tube kommt, hier noch einmal die Antwort:

Erst einmal wird alles schön aufgebaut und der super Büroschreibtisch mit einer Wachstuchdecke geschützt. (Die Sektflasche steht nicht immer auf meinem Schreibtisch, sondern war ein Geschenk meines Chefs. Dankeschön!)

So sehen die Tubenhülsen aus:

Zum Befüllen der Tuben braucht man ein Tubenfüllgerät, in welches erst die Salbe gefüllt wird, dann schraubt man die Tubenhülse auf und drückt das Tubenfüllgerät herunter:

Dann wird die Tube mit einer speziellen Zange oben zusammen gequetscht (und bei den ersten Tuben kommt dann die Salbe wieder raus, weil man die Hülse zu voll gemacht hat):

Anschliessend wird das Zusammengequetschte gefaltet und noch einmal gequetscht. Dabei muss man nicht, kann aber komisch gucken:

Und zum Schluss wird die Tube ab und der Deckel darauf gedreht.

Fertisch. Salbe ist in Tube und Tube ist geschlossen.

Vielen Dank an Christina für die Fotodokumentation!

Text


Seit der Lesung von Volker Kutcher habe ich darauf gewartet - auf den vierten Teil der Gereon Rath-Serie. “Die Akte Vaterland” spielt 1932, im Lastenaufzug des “Haus Vaterland”, einem Berliner Vergnügungstempel, wird ein Toter gefunden.

Die Spur der Akte Vaterland führt nach Masuren

Nicht nur die Todesursache scheint ungewöhnlich: Der Mann ist ertrunken. Außerdem scheint es der Kommissar Gereon Rath mit einer Mordserie zu tun zu haben. Unterstützt wird Rath bei den Ermittlungen von Charlotte Ritter, die nicht nur mittlerweile Kommissarsanwärterin bei der Berliner Polizei ist, sondern auch mit Rath verlobt. Viel Zeit verbringen die beiden trotzdem nicht miteinander: Die Spuren im Fall führen Rath nach Masuren.

Akte Vaterland zeigt politische Situation 1932

Volker Kutscher schafft es wieder einmal, mit einem guten Krimi Geschichte zu vermitteln. Der Leser erhält Einblicke in das Berlin der Anfang der 1930er Jahre, die politische Situation und vor allem die Stimmung im durch einen polnischen Korridor von Preussen getrennten Masuren.

Lesevergnügen statt Fliessbandarbeit

Dass Kutscher keine Fliessbandarbeit abliefert, sondern nur einen Rath-Krimi pro Jahr veröffentlicht, scheint sich bezahlt zu machen - auch Teil 4 ist sehr gut gelungen. Das lässt für die noch angekündigten drei weiteren Bände hoffen.

Leseprobe “Die Akte Vaterland”

In der Gereon Rath-Serie sind bisher erschienen:
Der nasse Fisch (Amazon-Link)
Der stumme Tod (Amazon-Link)
Goldstein (Amazon-Link)
Die Akte Vaterland (Amazon-Link)

Text

Lindau liegt im Bodensee. Nicht ganz Lindau, aber die Insel, auf der ich vier Tage zu verbringen gedenke. Schon im Vorfeld wird mir klar, dass das ziemlich ambitioniert ist, schliesslich ist die Insel gerade einmal 0,68 km² groß. Ich gehe davon aus, spätestens am dritten Tag mit der Hälfte der 3.000 Einwohner bekannt zu sein.

Zwischen Schönheitsklinik und Diebesturm - Lindauer Sehenswürdigkeiten

Trotz seiner überschaubaren Größe hat Lindau einige Sehenswürdigkeiten zu bieten. Die kann man auf eigene Faust erkunden, oder im Rahmen eines Stadtrundganges. Bei dem erfährt man dann auch, dass einige Erker früher Aborte waren und immer zwischen zwei Häusern eine Lücke für die Abwässer war. Erst waren die Gänge sehr eng, weil aber teilweise Schweine darin stecken blieben und niemand sie retten konnte, mussten die Gänge “einen Hammerschlag breit” sein. Mit Einführung des Wasserklosetts wurden die Lücken zugebaut, oder als Gassen genutzt.

Außerdem, dass man die Häuser unten möglichst schmal gebaut hat (um Steuern zu sparen) und deshalb manche Häuser “Ausbeulungen” in den oberen Etagen haben, damit der Schrank auch in die Stube passte. Ausbeulungen weisen auch manche Türen auf - wenn nämlich das bestellte Weinfass nicht durch die Tür passte, wurde eben die vergrößert. Das Erdgeschoss wurde in Lindau als Keller genutzt, weil es meist feucht war. Noch heute wohnt man auf der Insel erst ab dem ersten Stock.

In Lindau ist es Sitte, sein Wappen an sein Haus anzubringen - jedoch auch das Wappen der Vorbesitzer stehen zu lassen. Schliesslich mussten die ihr Haus oft verkaufen, weil es ihnen schlecht ging. Einige Häuser wurde auf der Stadtmauer gebaut - dann mussten die Bewohner zwar keine Steuern für das Haus zahlen, es aber im Belagerungsfalle räumen, um die Soldaten einzulassen.

Direkt am Hafen befinden sich Leuchtturm und Löwe. Um die bayerisch-schwäbische Verwirrung komplett zu machen: Der Leuchtturm gehört zu Baden-Württemberg, weil er der Badischen Schifffahrtsgesellschaft gehört. Dafür zeigt der Löwe mit dem Hintern nach München, weil sein Baumeister angeblich nicht nach dem Aufstellen bezahlt wurde.

Der alte Leuchtturm ist der Mangturm. Der heißt nicht so nach dem ansässigen Schönheitschirurg, sondern wegen des Tuch- und Manghauses (Mang von “Mangeln” = Wäsche glätten).

[caption id=”attachment_5493” align=”aligncenter” width=”372”] Mang(en)turm, ehemaliger Leuchtturm[/caption]

Die Klinik des namensgleichen Schönheitschirurgen kann man übrigens auch sehen, wenn man dem Uferweg folgt, besonders sehenswert ist das Gebäude aber nicht. Dafür steht vielleicht - wie bei uns - abends ein telefonierender Schweizer in Engelshemdchen und mit Trombosestrümpfen vor dem Haupteingang.

[caption id=”attachment_5483” align=”aligncenter” width=”372”] Altes Rathaus mit bayerischer Lüftelmalerei und Verkündbalkon[/caption]

[caption id=”attachment_5481” align=”aligncenter” width=”372”] Diebesturm[/caption]

Einträchtig nebeneinander liegen das katholische Münster Unserer lieben Frau und die evangelische Stephans-Kirche. Dabei hat das Münster in seiner Geschichte deutlich mehr Pech gehabt. Nicht nur, dass Blitzeinschlag die Kirche ausgebrannt hat, weil der Blitzableiter nur auf der angeblich höhereren evangelischen Kirche war, die neue Konstruktion des Daches hat auch nur etwas über 30 Jahre gehalten, bevor das Dach nach der Sonntagsmesse herunter gekommen ist.

Interessant sind die Bänke in St. Stephan, teilweise sind es sehr alte Bänke, teilweise lassen sich die Rücklehnen umklappen, so dass man sich in beide Richtungen setzen kann.

[caption id=”attachment_5480” align=”alignnone” width=”620”] Narrenbrunnen[/caption]

[caption id=”attachment_5479” align=”alignnone” width=”620”] Der Milchpilz wurde in den 50er Jahren zur Verkaufsförderung von Milch und Milchprodukten aufgestellt.[/caption]

Alles gesehen - und nun?

Boot fahren bietet sich in Lindau an. Zum Beispiel eine einstündige Rundfahrt in die Bregenzer Bucht. Da gibt es allerdings außer der Bregenzer Festspielbühne von hinten nicht viel zu sehen. 1946 fanden übrigens die ersten Festspiele in Bregenz statt, damals diente ein Lastkahn als Bühne, auf einem zweiten saß das Orchester.

Eine weitere Ausflugsmöglichkeit ist Mainau - drei Bootsstunden braucht man für die Fahrt auf die Blumeninsel.

Wenn das Wetter schlecht ist, kann man zum Beispiel ins Lindauer Stadtmuseum gehen. Das große Gebäude waren früher einzelne Häuser, die von Schweizer Bauleuten umgebaut werden sollten, weil sie günstiger waren, als die Lindauer. Nachdem die Lindauer Bauleute sie vergrault hatten, fiel ihnen ein, dass sie noch nie so ein großes Holzdach gebaut hatten. Aber Schiffe…

Wenn das Wetter gut ist, setzt man sich einfach auf eine der zahlreichen Bänke am Ufer und schaut dem Bodensee und den Tieren zu.

[caption id=”attachment_5478” align=”alignnone” width=”620”] Enten entern Lindau[/caption]

[caption id=”attachment_5477” align=”alignnone” width=”620”] Nicht Maui, sondern Bodensee[/caption]

[caption id=”attachment_5464” align=”alignnone” width=”620”] Regen-Spatzen[/caption]

Römerschanze, Hotel oder Pension - Lindau bietet viele Übernachtungsmöglichkeiten

Während die lokalen Punker auf der Römerschanze kampieren und von dort morgens eine Blechdose an der Angel zum Kleingeldsammeln herablassen, hat der normale Tourist auch andere Möglichkeiten. Zahlreiche Hotels säumen die Hafenpromenade und auch ansonsten gibt es viele Übernachtungsmöglichkeiten. Wir haben im “Hotel Bayerischer Hof” genächtigt. Tolles Frühstück, absolute Hafennähe, aber preismässig sehr hoch angesiedelt und auf deutlich älteres Klientel eingerichtet.

Essen in Lindau

Lindau ist in Bayern, aber schwäbisch. Das versteht vermutlich nur ein Ruhrgebietler aus Nordrhein-Westfalen. Deshalb aber gibt es in Lindau Laugengebäck, Brötchen heißen aber Wecken und nicht Semmeln. Weißwurst habe ich nur auf dem österreichischen Schiff nach Mainau gesehen. Bier gibt es, aber auch Wein, der Bodensee ist eine Weingegend. Ich persönlich empfehle den Müller Thurgau vom Nonnenhorner Sonnenbichl.

Da Lindau also schwäbisch ist, gibt es lauter leckere Dinge wie Maultaschen, Käsespätzle und Zwiebelrostbraten. Lokale Spezialität ist das Bodenseefelchen, ein “wohlschmeckender Speisefisch”.Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass das Vorkommen des Bodenseefelchen zurückgeht, da durch ebenfalls zurückgehende Verschmutzung und Algenbildung des Bodensees nicht mehr ausreichend Nahrung vorhanden ist. Der Mann hat ihn trotzdem gegessen und bisher keine erkennbaren Schäden davongetragen.

Ich habe aufopferungsvoll alles durchprobiert und kann zum einen das Cafe Corner (an der Seite des Hotels Bayerischer Hof) mit direktem Blick auf den Hafen, zum anderen das Gasthaus zum Sünfzen, die ehemalige Trinkstube der Patrizier, empfehlen. Nicht so überzeugend war das Essen im Biergarten des Gasthof Stift.

[caption id=”attachment_5517” align=”aligncenter” width=”372”] Pfifferlinge klassisch: Semmelknödel in einem See von Sahne und Pfifferlingen[/caption]

[caption id=”attachment_5518” align=”aligncenter” width=”372”] Patriziertopf mit Spinat-Spätzle[/caption]

[caption id=”attachment_5519” align=”alignnone” width=”620”] Nicht so leckerer Zwiebelbraten[/caption]

Kleiner Bahnhofs-Exkurs für Anne Schüßler

Pro: Der Lindauer Hauptbahnhof liegt direkt am Hafen, was besonders dann nett ist, wenn man eine Bootsfahrt machen möchte. Außerdem hat er schöne Lampen.

Contra: Durch die Gleise zum Bahnhof ist die Insel ein bißchen gespalten. Und der Bahnhof ist doch etwas heruntergekommen.

Geheimtipp: Im Hauptbahnhof ist einer der am besten sortierten Zeitschriftenläden, die ich kenne. Die hatten alles, Sweet Paul, Lecker Bakery, Fräulein, Couch. Und noch viel mehr.

Besser nicht: Sich auf die Uhr in der Wartehalle verlassen. Die ist nämlich genauso kaputt wie die meisten Türen.

Die Tour: In der angebauten Bäckerei zwei Laugenwecken erstanden, danach in den Zeitschriftenladen in der Wartehalle. Dann ein wenig die Wartehalle fotografiert und durch die nicht defekte der zwei Türen wieder raus.

Weitere Bahnhofsrezensionen finden geneigte Leser bei Anne Schüßler.

Text

Rothenburg ob der Tauber wurde vor 1.000 Jahren eigens dafür errichtet, um im 21. Jahrhundert scharenweise Asiaten nach Deutschland zu holen und ihnen zu erzählen, dass so Deutschland aussieht.

Japanische Schneebälle in Rothenburg ob der Tauber

Zumindest bekommt man dieses Gefühl, wenn man - wie wir auf dem Heimweg von Lindau - an einem Sonntag durch das Städtchen marschiert. Alles sehr pittoresk und beschaulich und eben voller Asiaten. Darauf haben sich nicht nur die lokalen Bäcker bei der Bewerbung der typischen “Schneebälle” eingestellt:

Fränkische Bratwürste sind lecker - und groß

Wir haben in Rothenburg keine Schneebälle gegessen, dafür fränkische Bratwürste. Die sind nicht ganz so klein, wie ich eigentlich dachte, kommen paarweise und sind zumindest im Biergarten des Gasthofs Butz sehr lecker. Wer allerdings keinen Kümmel mag, wird weder mit den Würstchen noch mit dem Sauerkraut glücklich.

Wer mehr Zeit hat als wir, sollte sich von den Touristenhorden nicht abschrecken lassen und ein wenig durch die sehr gut erhaltene mittelalterliche Altstadt schlendern. Wer es lieber etwas etwas höher mag, nimmt den Wehrgang auf den Stadtmauern (allerdings ist der streckenweise nur Japaner-geeignet, da kaum 1,80 Meter hoch). Vielleicht findet man dann auch den Ort in Rothenburg ob der Tauber, an dem 4 Sekunden des Films “Harry Potter und die Heiligtümer des Todes” gedreht wurden.

[caption id=”attachment_5457” align=”alignnone” width=”620”] Schild am Galgentor[/caption]

Text

Drei Stündchen mit dem Boot von Lindau über den Bodensee geschippert, und schon ist man da: Auf der Insel Mauritius Mainau.

[caption id=”attachment_5433” align=”alignnone” width=”620”] Motto des Jahres 2012 ist “Inseln des Südens” - daher die Palmenecken.[/caption]

Selbstverpflegung ist die beste Wahl auf der Insel Mainau

Der erste Weg führt zum Essen, schliesslich macht Boot fahren hungrig. Den Würstle-Grill entdecken wir leider erst bei unserer Abfahrt, wir wählen den Selbstbedienungs-Biergarten. Kann man machen, muss man aber nicht: Rote Wurst ist eher nix, Kuchen lecker. Also Kuchen essen oder einfach vom Bäcker eine Brezn mitbringen.

Subtropische Temperaturen schrecken weder Rentner noch Brautpaare ab

Der am Eingang verteilte Plan der Insel Mainau ist sinnvoll, ansonsten würde man vermutlich zwischen Schwedenturm, Schmetterlinghaus und Blumen hin und her irren. Dabei wäre man allerdings nie allein, bei subtropischen Temperaturen erkunden wir mit einer Menge motivierter Renter die “Blumeninsel”. Die zeigt sich von ihrer schönsten Dahlienseite, was auch die anwesenden Brautpaare (sieben, denen wir begegnet sind) freut.

[caption id=”attachment_5418” align=”alignnone” width=”620”] Schwedenturm[/caption]

[caption id=”attachment_5415” align=”alignnone” width=”620”] Schloss[/caption]

Wilde Tiere in freier Wildbahn

Im Schmetterlingshaus, in das sich (wegen noch subtropischerer Temperaturen) allerdings nur der Mann gewagt hat, gibt es 80 verschiedene Schmetterlingsarten zu beobachten. Einem riesigen blauen Exemplar ist die Flucht geglückt, der flatterte über der Blumen-Wassertreppe. Da war er in guter Gesellschaft, in fast jeder Blume tummelten sich kleinere Kollegen oder fleissige Bienen.

[caption id=”attachment_5432” align=”alignnone” width=”620”] Blumen-Wassertreppe ohne blauen Schmetterling[/caption]

Dufte Sache, die Insel

Blumen sind dann besonders toll, wenn sie duften - das tun sie auf der Insel Mainau. Und dabei sehen sie noch wunderschön aus.

Für Kinder gibt es auf Mainau einen tollen Spielplatz, für Erwachsene Wein - so wird jeder glücklich. Besonders glücklich kann sich die Adelsfamilie Bernadotte schätzen, der gehört die Insel Mainau nämlich. Und da die Adelsfamilie regierendes Geschlecht des Königreichs Schweden ist, hat Mainau einen Schwedenturm, eine Schwedenschenke und ein blau-gelbes Schildchen am Bodensee-Blumen-Relief.

[caption id=”attachment_5424” align=”alignnone” width=”620”] Esel, der sich vor Glück auf dem Rücken rollt[/caption]

So schön ist die Insel Mainau, dass sich sogar ein sehr bekannter und gelber Amerikaner an einem Brunnen inmitten von Engeln hat verewigen lassen:

 Die Insel Mainau ist ganzjährig von Sonnenauf- bis -untergang geöffnet. Erwachsene zahlen 16,90 Euro, das Kombiticket inkl. Bootsfahrt von Lindau kostet 43 Euro.

Text

Wenn die Temperaturen rauf gehen, steigt bei mir auch die Lust auf Sushi. Und wenn das so ist, gibt es zwei Möglichkeiten: Die in Berlin in einem Volkshochschulkurs angeeigneten Kenntnisse auspacken - oder ins Sushi-Haus gehen. Das liegt unscheinbar in einer Seitenstraße der Rüttenscheider Straße, ist ziemlich klein aber stark frequentiert.

Lecker Rollen im Sushi-Haus

Im Sushi-Haus gibt es lecker Rollen, Nigiri und Sashimi. Wer sich (wie ich) nicht entscheiden kann, nimmt eine Gourmetplatte, da ist von jedem ein bisschen drauf. Leider gab es für die Abbestellung der Misosuppe nicht (wie in anderen Läden üblich) ein zusätzliches Nigiri, man wird aber auch so satt. Dem deutschen Geschmack geschuldet ist, dass die Schälchen für die Sojasauce von der Küche mit Wasabi bestückt werden - im Sushikurs haben wir von Shoko Kono gelernt, dass die Japaner kein zusätzliches Wasabi nehmen (im Sushi ist schon Wasabi).

Wer kein Sushi möchte, kann auch auf Ramen, Udon (Nudelsuppen) oder Kyoza (japanische Maultaschen) ausweichen. Als Getränk empfehle ich in jedem Fall Ginseng-Tee.

Früh kommen oder Essen mitnehmen

Da es im Sushi-Haus immer sehr voll ist, sollte man früh kommen, um einen Tisch zu ergattern. Viele Besucher nehmen auch einfach Sushi-to-go. Dazu noch einen Cocktail (auch to-go zu haben) und es ist wie Sushi in Berlin.

Sushi-Haus, Wegenerstraße 1, Essen-Rüttenscheid

Text

Meine Füße qualmen schon, dabei hat der ThyssenKrupp IdeenPark 2012 noch gar nicht angefangen. Morgen geht es los, dann öffnet die Technik-Erlebniswelt in der Messe Essen ihre Tore. Noch werkeln eine ganze Menge Menschen in den Hallen, die in eine Stadtlandschaft verwandelt wurden. SchatzInsel, RecycleBar und GaragenCity und viele weitere Quartiere laden zum Entdecken, Spielen und Staunen ein.

Rahmenprogramm im IdeenPark vom Feinsten

Auch das Rahmenprogramm hat einiges zu bieten. Ich bin sehr traurig, dass ich kein Kind mehr bin, sonst könnte ich mir von Nelson Müller zeigen lassen, wie man gesund kocht, damit die Figur die eines Victoria´s Secret-Models wird und nicht in Masse ausartet. Bei mehr als 600 Workshops, Veranstaltungen wie den Days of Innovation und den Daily Info Shows* in der IdeenPark Arena und natürlich 400 Exponaten und Experimenten in den Hallen der Messe Essen und im Grugapark werde ich aber auf jeden Fall eine Alternative finden. Ein wenig Hilfe bei der Auswahl bieten acht Tourenvorschläge - oder man stellt seine eigene Tour zusammen. Einen Überblick über Exponate und Rahmenprogramm kann man sich hier herunterladen.

*mit Shary Reeves und Ralph Caspers von denen ich Dank “Wissen macht Ah!” ein großer Fan bin

Ein kleiner Blick hinter die Kulissen des IdeenParks

An der ein oder anderen Stelle wird noch geschraubt und aufgebaut, aber schon jetzt macht es Spass, durch die Hallen zu stöbern. Unglaublich, aber wahr - ab morgen ist Ideenpark.

[caption id=”attachment_5316” align=”alignnone” width=”512”] Märklin[/caption]

[caption id=”attachment_5311” align=”alignnone” width=”512”] Fußballroboter macht Pause[/caption]

[caption id=”attachment_5303” align=”alignnone” width=”341”] Die Crash-Test-Dummies warten schon gespannt[/caption]

[caption id=”attachment_5312” align=”alignnone” width=”512”] Auch der IdeenPark-Wagen muss bis morgen noch Energie tanken[/caption]